Individuelles und soziales Lernen

Als integrierte Gesamtschule verstehen wir uns speziell in der Sekundarstufe I als eine Schule, in der Kinder mit unterschiedlicher Leistungsfähigkeit und von unterschiedlicher Herkunft zusammen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern lernen und leben. Jedes Kind soll sich individuell entfalten können, aber auch lernen, seine Mitschülerinnen und Mitschüler in ihren Eigenarten anzunehmen und zu unterstützen. Die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit, Erwerb von Fachwissen und Schlüsselqualifikationen, Verfolgen individueller Neigungen und Interessen und soziales Lernen sind wichtige Ziele unserer Schule.

Wir versuchen, diese Ziele folgendermaßen zu verwirklichen:

Tischgruppenmodell

Das zentrale Instrumentarium zur Verbindung von individuellem und sozialem Lernen ist für die Helene-Lange-Schule das Tischgruppenkonzept. Die Umsetzung des Tischgruppenkonzeptes als Teil des Schulprofils der Helene-Lange-Schule erfolgt nach folgenden Grundsätzen:

  • Jeweils nach der Eingangsphase in Jg 5 werden feste Tischgruppen nach den Kriterien Arbeitsfähigkeit und Heterogenität (Geschlecht, Leistung, Sozialverhalten) gebildet. Wünsche von SchülerInnen können in einem gewissen Umfang berücksichtigt werden, dürfen aber nicht dazu führen, dass obige Kriterien außer Kraft gesetzt werden.
  • Die grundlegende Arbeits- und Sozialform ist das Sitzen in Tischgruppen. Andere Sitzformen sollten nur in Ausnahmefällen in Absprache mit den KlassenlehrerInnen stattfinden, wenn es bestimmte Unterrichtsinhalte oder eine spezielle Klassensituation erfordern.
  • Weitere Maßnahmen sollen die mit dem Tischgruppenkonzept angestrebten Ziele unterstützen. Das sind z. B. TG-Trainings, TG-Gespräche, eine TG-Veranstaltung mit Eltern, Schülerinnen und Schülern im 2. Halbjahr des 5. Jahrgangs. Es können ebenfalls gemeinsame Vorhaben und andere geeignete Formen sein, die über den direkten unterrichtlichen Rahmen hinausgehen. Überschreiten diese Maßnahmen die normale Unterrichtsverpflichtung, ist in Absprache mit der Jahrgangsleitung ein Stundenausgleich in pädagogisch vertretbarer Weise möglich.

Soziale und individuelle Lernprozesse laufen eng aufeinander bezogen ab und beeinflussen sich wechselseitig; daher werden Tischgruppen nach Leistungsfähigkeit, Sozialverhalten, Geschlecht und Arbeitshaltung bewusst heterogen zusammengesetzt.

Im Gegensatz zur „Großgruppe“ Klasse bietet die heterogene, stabile Kleingruppe folgende Vorteile:

  • Je überschaubarer und fester die Gruppe ist, in deren Rahmen sich diese Lernprozesse vollziehen, umso tief greifender und effizienter können Lernerfahrungen gemacht werden.
  • Den Gruppenmitgliedern kann es eher gelingen, sich gegenseitig zu akzeptieren, da sie sich durch intensiven Gedankenaustausch und gemeinsames Handeln besser kennen- und verstehen lernen.
  • Stabile Bezüge ermöglichen bessere Orientierung. Sie können Sicherheit vermitteln und durch die Überwindung von Ängsten und Hemmungen zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen.
  • Im Interaktionsrahmen „Tischgruppe“ besteht die Möglichkeit, dass jedes Gruppenmitglied seine Stärken einbringen kann, ohne seine Schwächen leugnen zu müssen: Das Helfersystem bei Einzelaufgaben wie auch die Teamarbeit bei Gruppenaufgaben ermöglicht es, in der gemeinsamen Arbeit die eigenen Fähigkeiten und Neigungen einzubringen und weiter zu entwickeln sowie Defizite auszugleichen.
  • Konflikte können in einer Kleingruppe besser erkannt und gelöst werden. So ermöglichen z. B. Tischgruppengespräche zwischen Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen kleine Gesprächseinheiten innerhalb der Klasse: Die Kommunikationsdichte wird erhöht; die Kommunikationsfähigkeit kann verbessert werden; Konfliktlösungskompetenz wird so entwickelt.
  • Möglicher Vereinzelung kann eher entgegengewirkt werden.
  • Durch das Zusammenbleiben über einen längeren Zeitraum können Konfliktfähigkeit und Toleranz geübt werden: Aus Problemen und Störungen kann man nicht durch Wechseln in eine andere Gruppe flüchten, sondern man muss lernen, sie zu lösen.
  • Gemischte Gruppen von Jungen und Mädchen können altersspezifischen Geschlechtsgruppen- und Klischeedenken entgegensteuern, entsprechende Konfrontationen abbauen und geschlechtsspezifische Sozialisationsdefizite ausgleichen helfen; auch lernen die SchülerInnen, wie Frauen und Männer zukünftig zusammenarbeiten könnten: Sie sollen keine „Männerwelt“ und keine „Frauenwelt“ erfahren, sondern Kooperation der Geschlechter.

Durch dieses Tischgruppenmodell versuchen wir, dem unterschiedlichen Leistungsvermögen unserer SchülerInnen Rechnung zu tragen und sie zu sozialem Lernen zu befähigen. Tischgruppen sind wesentliche soziale Bezugs- und Integrationspunkte; hier sollen die SchülerInnen in besonderer Weise gegenseitige Rücksichtnahme, Toleranz, Verständnis füreinander und Konfliktlösung lernen. Hier können die Kinder und Jugendlichen auch lernen, sich gegenseitig zu helfen und Hilfe anzunehmen, aber auch ihre unterschiedlichen Fähigkeiten für gemeinsame Arbeitsergebnisse zu nutzen. Auf diese Weise sind Tischgruppen der zentrale Ort für eine integrative Pädagogik.

Zur Verwirklichung der mit dem Tischgruppenkonzept verfolgten Ziele bedarf es vielfältiger Maßnahmen und Bemühungen, die z. T. Veränderungen im Verständnis der Lehrerrolle und auch des Verhältnisses von Schule und Elternhaus beinhalten oder voraussetzen.

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